Alle Artikel mit dem Schlagwort “Seminar

Autobahn, Zukunft

Die Berliner Stadtautobahn ist weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk: eine Schnellstraße, die über ihren Zweck hinaus auch einen besonderen Blick auf die Stadt bietet. Wim Wenders hat dies 1987 in Der Himmel über Berlin thematisiert. Er filmte den Fluss des Verkehrs, die baulichen Zäsuren und Brüche. Intuitiv erkannte er die filmischen Qualitäten dieser Straße, die mit ihren sanft geschwungenen Gradienten und ihrem gleichmäßigen Fließen eine Ästhetik des einprägsamen Flüchtigen schafft.[weiterlesen]

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Lehm, Image

Derzeit entstehen erstaunliche Materialien, die Möglichkeiten scheinen grenzenlos: „Intelligente“ Werkstoffe, deren chemische Struktur je nach Bedarf verändert und angepasst wird. Wir haben erkannt, dass die Baubranche einen erheblichen Anteil der globalen CO2-Emission verursacht und suchen nach nachhaltigen Lösungen durch technologischen Fortschritt. Dabei entstehen Gläser, die auf Knopfdruck von transparent auf matt schalten, Stähle, die sich selbst reparieren und Kunststoffe, die sich nach der Sonne ausrichten. In diese Reihe will der Lehm, ein Material, dessen Eigenschaften das Resultat seiner zwar variablen, aber in der Natur schon so vorkommenden Zusammensetzung ist, so gar nicht passen. Lehm ist derart lowtech, und nicht nur eines der ältesten Baumaterialien, sondern schon in der Bibel der Formstoff des Ur-Designers, dass ihm ein sehr konträres Image anhaftet: nämlich einerseits überholt und unzeitgemäß zu sein und andererseits gerade seiner Archaik wegen geschätzt zu werden. [weiterlesen]

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Flur, Schule

Die aktuellen Entwicklungen im Schulbau zeichnen ein ganz neues Bild des klassischen Schulflurs. Ursprünglich als reine Erschließungsachse geplant, von der aus alle Klassenzimmer abgehen, gilt der Schulflur heute als Feindbild architektonischer Kreativität und Symbol einer nicht mehr gewollten, hierarchischen Ordnung von Raum und Lehre. Als prägende Raumstruktur des Erfahrungsorts Schule scheint er alle negativen Erinnerungen an die eigene Schulzeit in sich zu vereinen. Wie sehr müssen auch Architektinnen und Architekten in den Gängen ihrer Schulzeit gelitten haben? Wie viel mehr aber bedeutete dieser Schulflur bereits damals für die Schule und ihre Nutzerinnen und Nutzer? [weiterlesen]

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Architekt, Schuld

Der Architekt ist immer schuld! – Ja, möchte man sagen, es ist ja auch sehr einfach, in der Person der Architektin oder des Architekten einen bequemen Sündenbock zu finden. Ein Architekt, so sagt man und so wird es auch an unserer Universität vermittelt, ist ein Entwerfer, ein Generalist, bei dem alle Fäden zusammenlaufen: hier wird ein Projekt erdacht, entworfen, geplant und koordiniert. Wenngleich die zur Herstellung eines Bauwerks notwendigen Schritte in einem arbeitsteiligen Prozess ablaufen, der von Architektinnen und Architekten bei weitem nicht mehr vollumfänglich kontrolliert und bestimmt wird, so sind und bleiben sie dennoch die am deutlichsten exponierten und angreifbarsten Figuren. Sie stehen und haften für die Qualität eines Bauwerks – und das steht in der Regel ein paar Jahre. Vor allem wenn Probleme auftauchen sind sie die ersten, die verantwortlich gemacht werden für Baumängel, Kostenexplosion und das Ausscheren einzelner Prozessbeteiligter, aber auch für „schlechte Architektur“ gleich welcher Art. [weiterlesen]

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