Alle Artikel mit dem Schlagwort “Archaik

Lehm, Image

Derzeit entstehen erstaunliche Materialien, die Möglichkeiten scheinen grenzenlos: „Intelligente“ Werkstoffe, deren chemische Struktur je nach Bedarf verändert und angepasst wird. Wir haben erkannt, dass die Baubranche einen erheblichen Anteil der globalen CO2-Emission verursacht und suchen nach nachhaltigen Lösungen durch technologischen Fortschritt. Dabei entstehen Gläser, die auf Knopfdruck von transparent auf matt schalten, Stähle, die sich selbst reparieren und Kunststoffe, die sich nach der Sonne ausrichten. In diese Reihe will der Lehm, ein Material, dessen Eigenschaften das Resultat seiner zwar variablen, aber in der Natur schon so vorkommenden Zusammensetzung ist, so gar nicht passen. Lehm ist derart lowtech, und nicht nur eines der ältesten Baumaterialien, sondern schon in der Bibel der Formstoff des Ur-Designers, dass ihm ein sehr konträres Image anhaftet: nämlich einerseits überholt und unzeitgemäß zu sein und andererseits gerade seiner Archaik wegen geschätzt zu werden. [weiterlesen]

1 Kommentar

Material, Magie

„Die Materie muß wieder vergöttlicht werden. Die Stoffe sind geradezu mystische Substanzen. Wir müssen tief und ehrfürchtig staunen, daß etwas Ähnliches überhaupt geschaffen wurde“, schreibt Adolf Loos 1924. Zu einer Zeit also, als die synthetischen Stoffe Glas, Beton, Mineralputz gerade in einer puristischen Inszenierung ihrer Künstlichkeit zum Werkstoff avancierten, der nahezu gleichbedeutend wurde mit der architektonischen Moderne. Loos meinte aber mit den mystischen Substanzen die natürlichen, also nur be- und nicht verarbeiteten Werkstoffe. Indem er schreibt, man müsse sie wieder vergöttlichen, scheint er der/dem Lesenden anzudeuten, dass ihm bewusst ist, wie sehr dieser Gedanke in der Tradition romantischer Naturverklärung wurzelt. [weiterlesen]

0 Kommentare