Material, vital

Hortitecture ist aus lateinisch hortus (Garten) und architecture abgeleitet. Diesen Begriff möchte ich einführen, um damit die Suche nach synergetischen Effekten zwischen Architektur und Pflanzen zu bezeichnen: Projekte, die das Potential vitaler Pflanzen für die Architektur ausloten, nämlich zugleich Material und Agent von Architektur zu sein. Hortitecture grenzt sich damit ab sowohl von der Verwendung von Pflanzen als totes, verarbeitetes Material, von der bloßen Applikation von Pflanzen als Mimikri von Natürlichkeit als auch von der biomorphen Simulation von bei Pflanzen beobachteten Effekten in der Herstellung synthetischer Stoffe und Konstruktionen. [weiterlesen]

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Flur, Schule

Die aktuellen Entwicklungen im Schulbau zeichnen ein ganz neues Bild des klassischen Schulflurs. Ursprünglich als reine Erschließungsachse geplant, von der aus alle Klassenzimmer abgehen, gilt der Schulflur heute als Feindbild architektonischer Kreativität und Symbol einer nicht mehr gewollten, hierarchischen Ordnung von Raum und Lehre. Als prägende Raumstruktur des Erfahrungsorts Schule scheint er alle negativen Erinnerungen an die eigene Schulzeit in sich zu vereinen. Wie sehr müssen auch Architektinnen und Architekten in den Gängen ihrer Schulzeit gelitten haben? Wie viel mehr aber bedeutete dieser Schulflur bereits damals für die Schule und ihre Nutzerinnen und Nutzer? [weiterlesen]

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Material, Magie

„Die Materie muß wieder vergöttlicht werden. Die Stoffe sind geradezu mystische Substanzen. Wir müssen tief und ehrfürchtig staunen, daß etwas Ähnliches überhaupt geschaffen wurde“, schreibt Adolf Loos 1924. Zu einer Zeit also, als die synthetischen Stoffe Glas, Beton, Mineralputz gerade in einer puristischen Inszenierung ihrer Künstlichkeit zum Werkstoff avancierten, der nahezu gleichbedeutend wurde mit der architektonischen Moderne. Loos meinte aber mit den mystischen Substanzen die natürlichen, also nur be- und nicht verarbeiteten Werkstoffe. Indem er schreibt, man müsse sie wieder vergöttlichen, scheint er der/dem Lesenden anzudeuten, dass ihm bewusst ist, wie sehr dieser Gedanke in der Tradition romantischer Naturverklärung wurzelt. [weiterlesen]

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Architekt, Schuld

Der Architekt ist immer schuld! – Ja, möchte man sagen, es ist ja auch sehr einfach, in der Person der Architektin oder des Architekten einen bequemen Sündenbock zu finden. Ein Architekt, so sagt man und so wird es auch an unserer Universität vermittelt, ist ein Entwerfer, ein Generalist, bei dem alle Fäden zusammenlaufen: hier wird ein Projekt erdacht, entworfen, geplant und koordiniert. Wenngleich die zur Herstellung eines Bauwerks notwendigen Schritte in einem arbeitsteiligen Prozess ablaufen, der von Architektinnen und Architekten bei weitem nicht mehr vollumfänglich kontrolliert und bestimmt wird, so sind und bleiben sie dennoch die am deutlichsten exponierten und angreifbarsten Figuren. Sie stehen und haften für die Qualität eines Bauwerks – und das steht in der Regel ein paar Jahre. Vor allem wenn Probleme auftauchen sind sie die ersten, die verantwortlich gemacht werden für Baumängel, Kostenexplosion und das Ausscheren einzelner Prozessbeteiligter, aber auch für „schlechte Architektur“ gleich welcher Art. [weiterlesen]

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